Dank meiner Arbeit im Kommunikationsbüro der Diözese Linz darf ich nun auch ganz offiziell und beruflich bloggen. Was dazu führt, dass ich noch weniger auf meinem eigenen Blog schreibe, dafür aber auf anderen Kanälen.
Insofern möchte ich euch meine letzten beiden Blogs auf kirche20.at nicht vorenthalten.
Beide beschäftigen sich mit der Umsetzung und dem Einsatz von Social Media in unterschiedlichen Bereichen. Der eine mit Social Media im Unterricht, der andere mit der Social Media Unterstützung von Veranstaltungen.
Hier die Links:
Social Media im Unterricht - ja, aber wie?
http://kirche20.at/blog/social-media-im-unterricht-ja-aber-wie
Events über soziale Netzwerke begleiten - aber wie?
http://kirche20.at/blog/events-ber-soziale-netzwerke-begleiten-aber-wie
Viel Spaß beim Lesen, vielleicht findet ihr ja den einen oder anderen brauchbaren Tipp. :-)
Donnerstag, 29. Mai 2014
Sonntag, 16. März 2014
Real digital natives - Eine Beobachtung
Je älter - oder erwachsener - man wird, um so öfters entdeckt man sie auf allen Social Media Kanälen, die Bilder von Kindern von Freunden und Bekannten. Fotos, direkt nach der Geburt, Kinder mit mit-Essen-verschmierten Gesichtern, Kinder beim Spielen, beim ersten Fußballturnier und so weiter und so fort. Flankiert werden diese Postings mit (lustigen) Zitaten derselben und Anektoten aus dem Eltern - und damit auch Kinder - Alltag. Ich störe mich nicht an diesen Postings und Bildern. Finde sie je nachdem auch entzückend oder witzig. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wie ich es handhaben werde, wenn ich einmal Kinder habe. Und ich kann die stolzen Eltern durchaus verstehen, dass sie die sozialen Netzwerke auch an diesem - sehr wesentlichen - Aspekts ihres Lebens teilhaben lassen wollen. Doch ergibt sich dabei etwas ganz neues. Bisher sprach man von Digital Natives von Personen, die quasi mit den sozialen und digitalen Medien groß geworden sind. In Zukunft haben wir Menschen, die von Beginn ihres Lebens an eine digitale Identität haben. Eine digitale Identität, für die sie sich nicht bewusst entschieden haben. Vielmehr eine, die ihnen ihre Eltern mitgeben. Pubertät wird für solche Menschen dann nicht nur heißen, sich im realen Leben von den Eltern und anderen Autoritäten abzugrenzen, nein, vielmehr auch, ihre digitale Identität abzugrenzen, sie sich selbst anzueigenen und vermutlich auch neu entwickeln zu müssen. Je nachdem, wie behutsam die Eltern mit der Privatsphäre ihrer Kinder umgegangen sind, wird es für sie schwieriger oder leichter sein. Es ist ja auch jetzt schon gang und gäbe, sich nach einem ersten Kennenlernen zu googlen. In Zukunft werden bei diesen Recherchen vielleicht auch Bilder mit einem Gesicht voller Eis, vom ersten Sommerurlaub in Rimini erscheinen. Es wird interessant, wie die nächste Generation mit dieser Situation umgehen wird. Ich bin optimistisch, auch die jetzige hat sich mit den neuen Begebenheiten arrangiert und weiß damit umzugehen. Doch sollte man als Elternteil wohl vor jedem Posting oder Bild von seinem Kind überlegen, ob man selbst haben möchte, dass dies von einem in sozialen Netzwerken auffindbar ist.
- ich hoffe, ich merke mir das, bis dass ich selbst Kinder habe...
- ich hoffe, ich merke mir das, bis dass ich selbst Kinder habe...
Donnerstag, 22. August 2013
Work hard - play hard vs. Generation Y
Was auch der Name eines Künstlerkollektivs aus der aktuellen
Pop/R'nB/Elektro-Szene sein könnte, beschreibt eine Beobachtung, die ich
gerne hier teilen würde.
Beides, einerseits das Motto Work hard - Play hard, andererseits der Begriff Generation Y beschreiben die aktuelle Generation der "Umdiedreißig-Jährigen", zu der auch ich gehöre.
Als Generation Y (Y englisch ausgesprochen, steht für das englische Wort why - warum) wird eben jene Generation bezeichnet, die laut dem Zeit-Artikel von Kerstin Bund, Uwe Jan Heuser und Anna Kunze "mit unzähligen Optionen groß geworden" ist, immer schon biografisches Selbstmanagement betreiben musste und deren Problem nicht die Grenzen, sondern die Grenzlosigkeit ist. "Sie wollen alles und alles auf einmal: Familie plus Feierabend. Beruf plus Freude plus Sinn. Und das verfolgen sie kompromisslos." (vgl.: Artikel in der ZEIT)
Andererseits soll die Generation Y auch die jenige sein, die Fragen stellt, im Arbeitsleben nicht alles mitmacht, wenig Vertrauen in die Regierenden haben und eben nicht nur für die Arbeit lebt - bzw. sollte sie laut dem Plädoyer von Ruben Karschnick so sein.
Der Dokumentarfilm Work hard-Play hard, der deutschen Filmemacherin Carmen Losmann zeigt aber ein ganz anderes Bild, dieser Generation. Zum Teil erschreckend, schonungslos wird dort die Situation der jungen ArbeitnehmerInnen dargestellt. In unverblümten Szenen aus Assesment Center, Cange Mangement und Personalentwicklung, wird eine sich anbiedernde, für das Unternehmen lebende, unter massivem Druck stehende, verbissen nach Karriere strebende, sich selbst optimierende Generation Y gezeigt. Ist sie das nicht aus sicher heraus, dann geht es darum, wie man sie dazu macht. Es tut nahezu weh, sich den Film anzusehen und dies zu beobachten.
Auch die Realtität bildet das ab, wenn ich daran denke, wieviele Menschen ich alleine in meinem Alter kenne, die selbst schon von Erschöpfungssyndromen, psychischen oder auch körperlichen Zusammenbrüchen (auf Grund von zu viel Arbeit) erzählen können.
Gleichzeitig ist "Work hard - Play hard" der Titel eines Liedes des Djs und Produzenten David Guetta. Quasi eine Hymne auf den Karrierismus und die harte Arbeit einerseits und auf den Hedonismus andererseits. - Ein Ideal, das dargestellt wird. Wer hart arbeitet, kann sich auch dem "spielen" hingeben. Ja und die Generation schreit genau dieses Mantra hinaus, wenn sie dieses Lied hört. Wer in diesem Sommer in diversen Clubs, Diskotheken oder auch auf der Partyinsel Ibiza war, kennt das.
Ja und das sollte eigentlich die Generation "Warum" sein...
Meine eigentliche Assoziation zu Generation Y wäre eine Generation, die sich kritisch mit ihrem Umfeld auseinandersetzt, sich eben nicht ausbeuten lässt und sich auch nicht selbstausbeutet, sondern auf ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Arbeit und arbeitsfreier Zeit achtet, also das Ideal, das Ruben Karschnick in seinem Plädoyer beschrieben hat...
Die Realtität ist wohl eine andere und man hat zum Teil den Eindruck, die Generation Y will es gar nicht anders... also doch mehr Work hard - Play hard, als WHY?
Beides, einerseits das Motto Work hard - Play hard, andererseits der Begriff Generation Y beschreiben die aktuelle Generation der "Umdiedreißig-Jährigen", zu der auch ich gehöre.
Als Generation Y (Y englisch ausgesprochen, steht für das englische Wort why - warum) wird eben jene Generation bezeichnet, die laut dem Zeit-Artikel von Kerstin Bund, Uwe Jan Heuser und Anna Kunze "mit unzähligen Optionen groß geworden" ist, immer schon biografisches Selbstmanagement betreiben musste und deren Problem nicht die Grenzen, sondern die Grenzlosigkeit ist. "Sie wollen alles und alles auf einmal: Familie plus Feierabend. Beruf plus Freude plus Sinn. Und das verfolgen sie kompromisslos." (vgl.: Artikel in der ZEIT)
Andererseits soll die Generation Y auch die jenige sein, die Fragen stellt, im Arbeitsleben nicht alles mitmacht, wenig Vertrauen in die Regierenden haben und eben nicht nur für die Arbeit lebt - bzw. sollte sie laut dem Plädoyer von Ruben Karschnick so sein.
Der Dokumentarfilm Work hard-Play hard, der deutschen Filmemacherin Carmen Losmann zeigt aber ein ganz anderes Bild, dieser Generation. Zum Teil erschreckend, schonungslos wird dort die Situation der jungen ArbeitnehmerInnen dargestellt. In unverblümten Szenen aus Assesment Center, Cange Mangement und Personalentwicklung, wird eine sich anbiedernde, für das Unternehmen lebende, unter massivem Druck stehende, verbissen nach Karriere strebende, sich selbst optimierende Generation Y gezeigt. Ist sie das nicht aus sicher heraus, dann geht es darum, wie man sie dazu macht. Es tut nahezu weh, sich den Film anzusehen und dies zu beobachten.
Auch die Realtität bildet das ab, wenn ich daran denke, wieviele Menschen ich alleine in meinem Alter kenne, die selbst schon von Erschöpfungssyndromen, psychischen oder auch körperlichen Zusammenbrüchen (auf Grund von zu viel Arbeit) erzählen können.
Gleichzeitig ist "Work hard - Play hard" der Titel eines Liedes des Djs und Produzenten David Guetta. Quasi eine Hymne auf den Karrierismus und die harte Arbeit einerseits und auf den Hedonismus andererseits. - Ein Ideal, das dargestellt wird. Wer hart arbeitet, kann sich auch dem "spielen" hingeben. Ja und die Generation schreit genau dieses Mantra hinaus, wenn sie dieses Lied hört. Wer in diesem Sommer in diversen Clubs, Diskotheken oder auch auf der Partyinsel Ibiza war, kennt das.
Ja und das sollte eigentlich die Generation "Warum" sein...
Meine eigentliche Assoziation zu Generation Y wäre eine Generation, die sich kritisch mit ihrem Umfeld auseinandersetzt, sich eben nicht ausbeuten lässt und sich auch nicht selbstausbeutet, sondern auf ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Arbeit und arbeitsfreier Zeit achtet, also das Ideal, das Ruben Karschnick in seinem Plädoyer beschrieben hat...
Die Realtität ist wohl eine andere und man hat zum Teil den Eindruck, die Generation Y will es gar nicht anders... also doch mehr Work hard - Play hard, als WHY?
Sonntag, 19. Mai 2013
Pfingsten
Am gestrigen Linzfest konnte ich endlich eine Band sehen, die ich schon immer live sehen wollte: Christoph & Lollo, bekannt für ihre Schispringer Lieder oder auch das Lied Karl Heinz.
Theologisch interessant, war neben den allgemein sehr kritischen Texten, besonders ein Lied, namens "Pfingsten". Passend - am Pfingstwochenende.
Im Text wird Pfingsten als das schönste, aller Feste beschrieben, weil es keine Geschenke gibt, keine Familienfeier, "nur blöde Bräuche, die kein Mensch braucht" und die auch keinen interessieren. Christoph & Lollo outen sich auch, insofern, dass sie nicht wissen, warum man Pfingsten feiert - was sie wohl mit vielen Menschen, die diese freien Tage genießen und dankend annehmen, verbindet.
Doch das ist nicht das Highlight des Liedes, sondern vielmehr die Zeile "Denn der Grund warum man Pfingsten liebt, ist weil Pfingsten sich so bescheiden gibt."
Biblisch betrachtet, eher Nonsens. Denn biblisch betrachtet ist Pfingsten wohl genau das Gegenteil. Das Ereignis, auf das die Gründung des Christentums zurückgeht, ist vielmehr ein riesen Spektakel, mit heftigen Stürmen, Feuerzungen und Jüngern, die in fremden Sprachen zu reden beginnen. Man stelle sich dies mal bildlich vor! Klar, dass die Galiläer sofort an den Geist in anderer Form dachten, also, glaubten, die Jünger seien betrunken. Doch Petrus klärt sie auf, sie sind nicht betrunken - dafür ist es noch viel zu früh - erst die dritte Stunde am Morgen. (vlg. Apg 2, 15. - ein netter humoristischer Einwurf, wie ich finde.) Vielmehr erfüllt sich die Weissagung des Propheten Joel. Ja - jetzt erfüllt sich auch noch eine Weissagung. Also von Bescheidenheit keine Spur.
Genau deshalb habe ich vor einigen Jahren eine Gemeinde wohl auch ziemlich verwundert, als ich im Zuge meines Pfarrpraktikums zu Pfingsten die Schrift auslegen durfte.
Ich redete davon, dass sich der Heilige Geist auch und nicht zuletzt im Kleinen zeigt. - Ja, das klingt wohl eher nach Christoph & Lollo und weniger nach der christlichen heiligen Schrift.
Trotzdem bleib ich dabei. Denn dieses Großereignis, dieses Spektakel kann man wohl als Ausgangspunkt einer Bewegung sehen, die sich bis heute weiterführt, doch diese Bewegung selbst, zeigt sich nicht mehr in den großen Spektakeln, mit Feuerzungen usw. Vielmehr zeigt sich oder sollte sich Christsein in den kleinen Dingen, im Alltag zeigen.
Die Jünger konnten nach diesem Pfingstereignis die Menschen verstehen und auch deren Sprache sprechen, ja und genau darum geht es. Versteht man die Sprache der Menschen, dann kann man zuhören, kann man zuhören, dann kann man für sie da sein, kann man für sie da sein, dann kann man ihnen vielleicht auch etwas vermitteln und, was viel wichtiger ist, ihnen helfen.
Ja, das ist Pfingsten, das bescheidene Fest, das uns eigentlich ermächtigen sollte, zuzuhören und zu verstehen…
(Hier noch der Link zum Text von Pfingsten: http://www.christophundlollo.com/texte/pages/pfingsten.htm)
Theologisch interessant, war neben den allgemein sehr kritischen Texten, besonders ein Lied, namens "Pfingsten". Passend - am Pfingstwochenende.
Im Text wird Pfingsten als das schönste, aller Feste beschrieben, weil es keine Geschenke gibt, keine Familienfeier, "nur blöde Bräuche, die kein Mensch braucht" und die auch keinen interessieren. Christoph & Lollo outen sich auch, insofern, dass sie nicht wissen, warum man Pfingsten feiert - was sie wohl mit vielen Menschen, die diese freien Tage genießen und dankend annehmen, verbindet.
Doch das ist nicht das Highlight des Liedes, sondern vielmehr die Zeile "Denn der Grund warum man Pfingsten liebt, ist weil Pfingsten sich so bescheiden gibt."
Biblisch betrachtet, eher Nonsens. Denn biblisch betrachtet ist Pfingsten wohl genau das Gegenteil. Das Ereignis, auf das die Gründung des Christentums zurückgeht, ist vielmehr ein riesen Spektakel, mit heftigen Stürmen, Feuerzungen und Jüngern, die in fremden Sprachen zu reden beginnen. Man stelle sich dies mal bildlich vor! Klar, dass die Galiläer sofort an den Geist in anderer Form dachten, also, glaubten, die Jünger seien betrunken. Doch Petrus klärt sie auf, sie sind nicht betrunken - dafür ist es noch viel zu früh - erst die dritte Stunde am Morgen. (vlg. Apg 2, 15. - ein netter humoristischer Einwurf, wie ich finde.) Vielmehr erfüllt sich die Weissagung des Propheten Joel. Ja - jetzt erfüllt sich auch noch eine Weissagung. Also von Bescheidenheit keine Spur.
Genau deshalb habe ich vor einigen Jahren eine Gemeinde wohl auch ziemlich verwundert, als ich im Zuge meines Pfarrpraktikums zu Pfingsten die Schrift auslegen durfte.
Ich redete davon, dass sich der Heilige Geist auch und nicht zuletzt im Kleinen zeigt. - Ja, das klingt wohl eher nach Christoph & Lollo und weniger nach der christlichen heiligen Schrift.
Trotzdem bleib ich dabei. Denn dieses Großereignis, dieses Spektakel kann man wohl als Ausgangspunkt einer Bewegung sehen, die sich bis heute weiterführt, doch diese Bewegung selbst, zeigt sich nicht mehr in den großen Spektakeln, mit Feuerzungen usw. Vielmehr zeigt sich oder sollte sich Christsein in den kleinen Dingen, im Alltag zeigen.
Die Jünger konnten nach diesem Pfingstereignis die Menschen verstehen und auch deren Sprache sprechen, ja und genau darum geht es. Versteht man die Sprache der Menschen, dann kann man zuhören, kann man zuhören, dann kann man für sie da sein, kann man für sie da sein, dann kann man ihnen vielleicht auch etwas vermitteln und, was viel wichtiger ist, ihnen helfen.
Ja, das ist Pfingsten, das bescheidene Fest, das uns eigentlich ermächtigen sollte, zuzuhören und zu verstehen…
(Hier noch der Link zum Text von Pfingsten: http://www.christophundlollo.com/texte/pages/pfingsten.htm)
Montag, 4. Februar 2013
Das katholische Prinzip
"Hände falten, Goschen halten" ein doch bekannter Slogan, den ich aus so mancher kirchen- und religionskritischen Kampagne von linken SchülerInnen- oder Jugendorganisationen im Ohr habe.
Gleichzeitig ein Slogan dessen, dahinter versteckten, Vorwurf gegenüber der Kirche bzw. konkreter gegenüber ChristInnen ich lange Zeit nicht nachvollziehen konnte.
Verstehe ich doch die christlich-jesuanische und damit auch katholische Botschaft als einen Aufruf zum Ungehorsam, zum "Aufmucken". Dazu, seine Meinung zu sagen, eben nicht die Hände zu falten, zuzuschauen und den Mund zu halten.
Doch die Realität belehrt mich - abseits der mir bewussten hierarchischen und organisatorischen Enge der Kirche - eines besseren. Anscheinend ist "Hände falten, Goschen halten" doch ein katholisches Prinzip. So ist ihm so mancher katholische Würdenträger hinsichtlich der Missbrauchsfälle gefolgt - was wohl das dramatischste Beispiel ist. Viele (junge) Menschen mussten leiden und leiden bis heute unter den Folgen.
Oder es wenden sich Kardinäle und Bischöfe gegen genau jene Personen, die eben nicht den Mund halten wollen und sich aus ihrem christlichen Verständnis heraus zum Beispiel für AsylwerberInnen einsetzen.
Aber auch im mehr oder weniger kleinen folgen dem Prinzip so manche Verantworlichen der Katholischen Kirche bzw. ihrer Unterorganisationen oder Einrichtungen im täglichen Leben.
Es spannt sich bis hin zu katholischen Bildungseinrichtungen (um die es mir hier vielmehr geht), die lieber den Schleier der Vertuschung über aktuelle Vorkommnisse spannen, als eine umfangreiche Information und Aufklärung bzw. die Übernahme von Verantwortung anzustreben.
Traurig, sehr traurig! Und wohl eher Goschn halten, als jesuanische Liebe zur Wahrheit und Offenheit.
Ja, da wird zugeschaut, wenn Schindluder mit Macht betrieben wird, die Ellbogen ausgefahren werden um den Karrieresprung zu machen, wenn unmenschlich gehandelt wird. Wenn Gesetze und Regeln wichtiger sind als die Menschen.
Gleichzeitig herrscht Willkür in der Umsetzung und der Einforderung des Einhaltens von Regeln. Manche sind eben gleicher als andere. So dürfen sich die einen mehr herausnehmen, ihre Verantwortung frei auslegen, sie nur dort annehmen, wo sie möchten. Bei den anderen werden sie enger ausgelegt. Leider oftmals bei Menschen, die ihrem Gewissen folgen.
Ja und so stelle ich mir nun am Ende des Textes auch die Frage, ob ich ihn bloggen soll, oder ob es mir als Religionslehrerin nicht viel mehr schaden könnte… Könnte es wohl, aber ich möchte es trotzdem riskieren, weil eben "Hände falten, Goschen halten" erstens nicht das ist, was ich kann, zweitens nicht das ist, was ich als die Botschaft Jesu empfinden und drittens nicht das ist, was ich will.
Gleichzeitig ein Slogan dessen, dahinter versteckten, Vorwurf gegenüber der Kirche bzw. konkreter gegenüber ChristInnen ich lange Zeit nicht nachvollziehen konnte.
Verstehe ich doch die christlich-jesuanische und damit auch katholische Botschaft als einen Aufruf zum Ungehorsam, zum "Aufmucken". Dazu, seine Meinung zu sagen, eben nicht die Hände zu falten, zuzuschauen und den Mund zu halten.
Doch die Realität belehrt mich - abseits der mir bewussten hierarchischen und organisatorischen Enge der Kirche - eines besseren. Anscheinend ist "Hände falten, Goschen halten" doch ein katholisches Prinzip. So ist ihm so mancher katholische Würdenträger hinsichtlich der Missbrauchsfälle gefolgt - was wohl das dramatischste Beispiel ist. Viele (junge) Menschen mussten leiden und leiden bis heute unter den Folgen.
Oder es wenden sich Kardinäle und Bischöfe gegen genau jene Personen, die eben nicht den Mund halten wollen und sich aus ihrem christlichen Verständnis heraus zum Beispiel für AsylwerberInnen einsetzen.
Aber auch im mehr oder weniger kleinen folgen dem Prinzip so manche Verantworlichen der Katholischen Kirche bzw. ihrer Unterorganisationen oder Einrichtungen im täglichen Leben.
Es spannt sich bis hin zu katholischen Bildungseinrichtungen (um die es mir hier vielmehr geht), die lieber den Schleier der Vertuschung über aktuelle Vorkommnisse spannen, als eine umfangreiche Information und Aufklärung bzw. die Übernahme von Verantwortung anzustreben.
Traurig, sehr traurig! Und wohl eher Goschn halten, als jesuanische Liebe zur Wahrheit und Offenheit.
Ja, da wird zugeschaut, wenn Schindluder mit Macht betrieben wird, die Ellbogen ausgefahren werden um den Karrieresprung zu machen, wenn unmenschlich gehandelt wird. Wenn Gesetze und Regeln wichtiger sind als die Menschen.
Gleichzeitig herrscht Willkür in der Umsetzung und der Einforderung des Einhaltens von Regeln. Manche sind eben gleicher als andere. So dürfen sich die einen mehr herausnehmen, ihre Verantwortung frei auslegen, sie nur dort annehmen, wo sie möchten. Bei den anderen werden sie enger ausgelegt. Leider oftmals bei Menschen, die ihrem Gewissen folgen.
Ja und so stelle ich mir nun am Ende des Textes auch die Frage, ob ich ihn bloggen soll, oder ob es mir als Religionslehrerin nicht viel mehr schaden könnte… Könnte es wohl, aber ich möchte es trotzdem riskieren, weil eben "Hände falten, Goschen halten" erstens nicht das ist, was ich kann, zweitens nicht das ist, was ich als die Botschaft Jesu empfinden und drittens nicht das ist, was ich will.
Statt dessen halte ich mich lieber an dieses Prinzip:

Freitag, 25. Januar 2013
Wir machen uns die Welt - wie sie uns gefällt?!
Eine Frage, die mich in so mancher schlaflosen Nacht beschäftigt hat und gestern aus aktuellem Anlass um so mehr:
Warum ist die Welt so wie es ist? Warum werden bestehende Machtverhältnisse immer wieder gestützt, getragen und ausgebaut.
Keine neuen Fragen, aber wohl aus der Aktualität heraus umso brennender.
Aus gegebenen Anlass und nach intensiven Beobachtungen und Mitverfolgungen der Vorgänge einer, hier nicht näher zu nennenden Organisation heraus, kam ich zu dem Schluss:
Die Welt ist so wie sie ist, weil es einige, und gleichzeitig viel zu viele Menschen gibt, die nach wie vor - oftmals trotz christlichen oder anderen scheinbar auf Solidarität ausgerichteten Idealen - mit ausgefahrenen Ellbogen nach Macht streben und dort dann die Hände weit aufmachen, sich zu arbeiten lassen und auch zum Teil viel Geld, "Prestige" und Anerkennung einstecken.
Warum kann das passieren?
Getan von Menschen die offensichtlich nicht aus redlichen Motiven heraus handeln. Nach außen vielleicht freundlich, zuvorkommend sind, aber mit etwas Menschenkenntnis kann man merken, dass sie nur gemäß ihrer eigenen Interessen handeln. Manche machen sich nicht mal mehr die Mühe und zeigen gute Miene zum bösen Spiel und trotzdem erlangen sie das, was sie möchten.
Warum kann das passieren?
Weil es nach wie vor viel zu viele Lemminge gibt, die einfach neben- oder hinterher trotten, nicht links und rechts schauen, im Sinne des bekannten Bildes der drei Affen Augen, Ohren und Mund verschließen und sich so passiv unterwerfen.
Was sich aus diesem Mitläufertum oder auch aus dieser ignoranten Einstellung heraus entwickeln kann, haben die Generationen vor uns schmerzhaft miterleben dürfen.
Warum kann das passieren?
Wohl, weil es viel zu wenige Menschen gibt, die sich ihre Kritikfähigkeit erhalten, mit offenen Augen, Ohren und Mund und mit einem gewissen Sinn für die Feinheiten durchs Leben gehen. Oder auch, weil die Menschen auf Grund der großen Anzahl an Lemmingen und EllbogentechnikerInnen eingeschüchtert sind und nicht mehr ihren Instinkten vertrauen…
Warum kann das passieren?
Weil wir oder auch "das System", die gesellschaftliche Verfassung, die Bildung, die Menschen zu genau diesen Personen machen. Zu braven Trotteln, die nachlatschen, nicht kritisch nachfragen (denn die braven, auswendig lernenden SchülerInnen sind ja die "besseren"), nicht reflektieren, sich nicht die eigenen Gedanken machen, sondern mit verschlossenen Mund, Ohren und Augen durch das Leben gehen.
Gleichzeitig nehmen wir ihnen eben das Denken ab, durch Ausbreitung von "Service", so dass die Menschen oft nicht mal mehr nachdenken müssen, wohin sie gehen, weil an jeder Ecke jemand steht, der einem sagt wohin man muss (wie ich es an us-amerikanischen Flughäfen erfahren habe). Den Menschen wird die Eigenverantwortung systematisch, langsam kontinuierlich entzogen, so werden sie zu Lemmingen erzogen und so wird weiter geschwiegen, nicht kritisch nachgefragt, nicht reflektiert… und so schließt sich der Kreis - fürchte ich…
Doch ich bin kein pessimistischer Mensch - noch nicht.
Also, was kann man tun?! - Selbst die Augen, Ohren und vor allem den Mund öffnen, dies auch anderen Menschen mitgeben, andere aufrütteln, seine eigenen Handlungen immer wieder neu überdenken, die eigenen Motive reflektieren, und das immer wieder aufs neue und wieder aufs neue, aufs neue, aufs neue… Dann öffnet sich der Kreis - hoffentlich!
Warum ist die Welt so wie es ist? Warum werden bestehende Machtverhältnisse immer wieder gestützt, getragen und ausgebaut.
Keine neuen Fragen, aber wohl aus der Aktualität heraus umso brennender.
Aus gegebenen Anlass und nach intensiven Beobachtungen und Mitverfolgungen der Vorgänge einer, hier nicht näher zu nennenden Organisation heraus, kam ich zu dem Schluss:
Die Welt ist so wie sie ist, weil es einige, und gleichzeitig viel zu viele Menschen gibt, die nach wie vor - oftmals trotz christlichen oder anderen scheinbar auf Solidarität ausgerichteten Idealen - mit ausgefahrenen Ellbogen nach Macht streben und dort dann die Hände weit aufmachen, sich zu arbeiten lassen und auch zum Teil viel Geld, "Prestige" und Anerkennung einstecken.
Warum kann das passieren?
Getan von Menschen die offensichtlich nicht aus redlichen Motiven heraus handeln. Nach außen vielleicht freundlich, zuvorkommend sind, aber mit etwas Menschenkenntnis kann man merken, dass sie nur gemäß ihrer eigenen Interessen handeln. Manche machen sich nicht mal mehr die Mühe und zeigen gute Miene zum bösen Spiel und trotzdem erlangen sie das, was sie möchten.
Warum kann das passieren?
Weil es nach wie vor viel zu viele Lemminge gibt, die einfach neben- oder hinterher trotten, nicht links und rechts schauen, im Sinne des bekannten Bildes der drei Affen Augen, Ohren und Mund verschließen und sich so passiv unterwerfen.
Was sich aus diesem Mitläufertum oder auch aus dieser ignoranten Einstellung heraus entwickeln kann, haben die Generationen vor uns schmerzhaft miterleben dürfen.
Warum kann das passieren?
Wohl, weil es viel zu wenige Menschen gibt, die sich ihre Kritikfähigkeit erhalten, mit offenen Augen, Ohren und Mund und mit einem gewissen Sinn für die Feinheiten durchs Leben gehen. Oder auch, weil die Menschen auf Grund der großen Anzahl an Lemmingen und EllbogentechnikerInnen eingeschüchtert sind und nicht mehr ihren Instinkten vertrauen…
Warum kann das passieren?
Weil wir oder auch "das System", die gesellschaftliche Verfassung, die Bildung, die Menschen zu genau diesen Personen machen. Zu braven Trotteln, die nachlatschen, nicht kritisch nachfragen (denn die braven, auswendig lernenden SchülerInnen sind ja die "besseren"), nicht reflektieren, sich nicht die eigenen Gedanken machen, sondern mit verschlossenen Mund, Ohren und Augen durch das Leben gehen.
Gleichzeitig nehmen wir ihnen eben das Denken ab, durch Ausbreitung von "Service", so dass die Menschen oft nicht mal mehr nachdenken müssen, wohin sie gehen, weil an jeder Ecke jemand steht, der einem sagt wohin man muss (wie ich es an us-amerikanischen Flughäfen erfahren habe). Den Menschen wird die Eigenverantwortung systematisch, langsam kontinuierlich entzogen, so werden sie zu Lemmingen erzogen und so wird weiter geschwiegen, nicht kritisch nachgefragt, nicht reflektiert… und so schließt sich der Kreis - fürchte ich…
Doch ich bin kein pessimistischer Mensch - noch nicht.
Also, was kann man tun?! - Selbst die Augen, Ohren und vor allem den Mund öffnen, dies auch anderen Menschen mitgeben, andere aufrütteln, seine eigenen Handlungen immer wieder neu überdenken, die eigenen Motive reflektieren, und das immer wieder aufs neue und wieder aufs neue, aufs neue, aufs neue… Dann öffnet sich der Kreis - hoffentlich!
Donnerstag, 15. März 2012
Wer nichts weiß, muss alles glauben?! Das Phänomen des (neuen) Atheismus zwischen Atheismus und Religionskritik (Arbeitstitel)
Abstract zum Konzept meiner Dissertation (Fachbereich Philosophie)
Das Phänomen des so genannten "neuen Atheismus" hat seit ca. 2005 - wohl entfacht durch die Anschläge des 11.09.2001 - eine neue Brisanz in die Diskussion rund um Religion und deren Kritik gebracht. Autoren wie Richard Dawkins, Michel Onfray, Christopher Hitchens, Sam Harris, Michael Schmidt-Salomon und einige andere publizierten quasi im Monatstakt religionskritische und selbsternannt atheistische, meist extrem polemische, streitbare Schriften, in denen die Religion als Feind des Humanismus oder auch als ablegbarer evolutionärer Vorteil dargestellt wird.
Neu ist – auf den ersten Blick - vor allem die harte Sprache und die Konzentration auf neue wissenschaftliche - zb (neuro-)biologische - Erkenntnisse, bzw. das Konzentrieren und nahezu endlose Ausführen von Gräueltaten im Namen der Religion. Ansonsten lassen sich viele Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen traditioneller Religionskritik (Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud) und den "neuen Atheismen" finden. Das atheistische Rad wurde nicht neu erfunden, soweit die – gängige - Annahme, die in der Dissertation überprüft werden soll.
Bezug nehmend auf andere vorgeschlagene Kategorisierungen etwa vom Philosophen Wucherer-Huldenfeld, Gregor Maria Hoff oder auch Thomas Schärtel möchte ich versuchen eine eigene Vorzunehmen und an Hand dessen modellhaft die Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede der Positionen der so genannten traditionellen Religionskritik und des neuen Atheismus darzustellen. Die Kriterien boten dabei die Art des Zugangs der Religionskritik, der atheistischen Theorie. So gibt es Positionen, die etwa die Funktionen oder die Funktionalisierung der Religion kritisieren (vgl. Karl Marx, Sigmund Freud, Sloterdijk), andere sehen die Religion auf Grund von - im weitesten Sinne - evolutionären Prozessen hinfällig (vgl. Nietzsche, Dawkins und Dennett), weitere kritisieren vor allem die (Un-) Menschlichkeit der Religion und ihre brutalen Auswüchse (Feuerbach, Onfray, Michael Schmidt-Salomon) und die analytische Philosophie führt die Religion an Hand ihrer sprachlichen Darstellung ad absurdum.
Dem steht eine weitere Position fast gegenüber, oder auch zwischen den "Fronten", nämlich der Zugang von Herbert Schnädelbach, der sich selbst als frommen Atheisten bezeichnet, der sich von den "konfessionellen" oder auch "kämpferischen" Atheisten abgrenzt und es eigentlich schade findet, dass er nicht glauben kann. Er sagt: Ich glaube nicht, dass Gott existiert, im Gegensatz zu den oben genannten, die sagen Ich glaube, dass Gott nicht existiert.
Dazu in Bezug steht ein quasi praktischer Atheismus, der aber genauso ein theoretischer Atheismus ist, nämlich der organisierte Atheismus. Beispiele dafür sind etwa die Giordano-Bruno-Stiftung (ausgehend von Deutschland), The Brights aus den USA, oder auch die Konfessionslosen aus Österreich mit deren populären Vertreter Heinz Oberhummer, die ihre Ansichten als Politikum nutzen.
Doch sind diese so genannten Atheisten wirklich alle Atheisten oder versteckt sich diese radikalere Position eigentlich hinter dem Deckmantel der Religionskritik? Dies gilt es in der genauen Analyse zu überprüfen.
De facto kratzen viele der atheistisch-religionskritischen Theorien mit ihrer Kritik nur an der Oberfläche der religiösen Vorstellungen und Annahmen. Den Kern der Religion versuchen die Atheisten durch einen weitere Schritt zu erreichen. Sie setzen Religionskritik mit der Aufklärung gleich, spielen Religion gegen Vernunft bzw. Glaube gegen Wissen aus und bezeichnen dadurch jeglichen Glauben als etwas durch die Aufklärung erledigtes. Dies gilt es in einem letzten Schritt anhand von Schriften, wie etwa der Dialektik der Aufklärung (Adorno und Horkheimer) oder Glaube und Wissen (Habermas) zu dekonstruieren.
Forschungsfrage:
Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede können zwischen traditioneller Religionskritik und neuem Atheismus, bzw. den Ansichten des organisierten Atheismus (spezieller Blick auf Österreich) gefunden werden? Wo werden die Begriffe Atheismus und Religionskritik in der Zuschreibung der Positionen nicht klar verwendet und welche können daher tatsächlich als Atheismen bezeichnet werden und welche als Religionskritiken? Welche philosophischen Konzepte lösen die dahinter stehende Differenzierung zwischen Vernunft und Religion bzw. Wissen und Glaube auf?
Nachtrag: "Wer nichts weiß, muss alles glauben" ist das Zitat eines Slogans einer von Heinz Oberhummer gestalteten Radiosendung auf FM4.
Nachtrag: "Wer nichts weiß, muss alles glauben" ist das Zitat eines Slogans einer von Heinz Oberhummer gestalteten Radiosendung auf FM4.
Mittwoch, 29. Februar 2012
Woher kommt der Sinn?
Herbert Schnädelbach (man merkt, dass ich ihn gerade lese...) kritisiert in seinem Text „Mit oder ohne Gott? Ansichten des Atheismus“ im Exkurs über den Sinn von „Sinn“, die Konjunktur, die dieser Begriff in der Gegenwart erfährt. Er hält den Sinn „für einen grammatikalischen Fetisch“ und er stellt fest, dass sich das religiöse Bedürfnis immer in den der Frage nach dem Sinn zeige. Gleichzeitig fragt er sich, ob es tatsächlich so ist, dass SeelsorgerInnen nach dem Sinn im religiösen Zusammenhang gefragt werden, ist es wirklich so, dann handelt es sich dabei seiner Auffassung nach „um das Nachreden einer kaum verständlichen, halbgebildeten Redeweise, der zufolge religiöse Fragen Sinnfragen seien.“
Für ihn ist die wahre Frage nach dem Sinn eine ganz andere, die nicht mit Religiosität in Zusammenhang steht und deren Antwort vielmehr ein Plural als ein Singular ist.
Für ihn ist die wahre Frage nach dem Sinn eine ganz andere, die nicht mit Religiosität in Zusammenhang steht und deren Antwort vielmehr ein Plural als ein Singular ist.
Dieser Gedanke gab mir den Anstoss, das auf bezogen auf mein eigenes Leben zu reflektieren. Dabei musste ich auch feststellen:
Religion gibt meinem Leben nicht Sinn, sondern vielmehr die Form... Die Rituale, formen die Lebensübergänge, die ethischen Grundregeln formen mein Handeln. Der Glaube an einen Gott zu dem ich in Beziehung treten kann, gibt mir (manchmal, idealerweise oft) Halt, das Vorbild Jesu formt meine Art zu Leben.
Sinn gibt mir anderes, Sinn gibt mir meine Bildung, meine Tätigkeit, mein Job. Meinem Leben gibt meine Beziehung, meine Beziehungen, also die mehr oder weniger engen Freundschaften und meine Familie Sinn. Sinn geben mir auch gute Gespräche, schöne Abende, unvergessliche Erlebnisse.
... aber die Religion, gibt die Sinn?! Versucht man vielleicht nicht einfach der Religion durch den Bezug zum Sinn des Lebens einen besonderen Stellenwert zu geben? Aber ist die Form des Lebens nicht auch etwas so sehr Wesentliches...?!
Literaturtipp: Schnädelbach Herbert, Mit oder ohne Gott? Ansichten des Atheismus, in: derselbe, Religion in der moderenen Welt, Frankfurt 2009.
Montag, 20. Februar 2012
Ernst genommene Religiosität ist ernst zu nehmende Religiosität
Der Philosoph und bekennende „fromme Atheist“ Herbert Schnädelbach schreibt im Vorwort zu seinem Buch „Religionen in der modernen Welt“, dass in dem jetzigen postreligiösen Zeitalter Religion nicht mehr ernst genommen wird und sich die Menschen viel lieber an ihre jeweils verwertbaren Teilaspekte halten.
Damit hat er mir direkt aus meinem Herzen geschrieben. - Denn er fasst damit Phänomene zusammen, die mich schon einige Zeit beschäftigen und bringt sie auf den Punkt. Dass Religion nicht mehr ernst genommen wird, zeigt sich im Umgang mit ihren Inhalten, Ritualen, Symbole und Werten. Das sieht man etwa in folgenden Phänomenen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Neue Religiosität und Spiritualität:
Auch wenn man es grundsätzlich für gut befinden muss, dass sich Menschen der Spiritualität zuwenden. In vielfacher Hinsicht werden die Religionen, sei es das Christentum, der Hinduismus oder der Buddhismus nicht mehr ernstgenommen. Sie werden wahrgenommen, zerstückelt, neu sortiert bzw. wieder neu zusammengesetzt. Dies zeigt sich insbesondere, wenn es um die radikale Erfahrung des Todes geht. Also hier etwas Himmel, dort etwas Reinkarnation und dann doch wieder Kontakt mit den Verstorbenen.
Fundamentalismus (aller Monotheismen):
Die Religion wird zur Politik. Vermeintlich christliche, jüdische oder muslimische Werte instrumentalisiert, so dass sie den politischen Ansichten und Anliegen entsprechen. Da wird etwa das Gebot der Nächstenliebe verkehrt und zum Kampf gegen andere Religionen aufgerufen, gegen andere Völker, um Territorien zu sichern oder sie zu erweitern. Es werden Frauen in schwierigen Schwangerschaftssituationen zu Mörderinnen verunglimpft, Homosexuelle zu Tieren degradiert und das alles um den nächsten Wahlkampf zu gewinnen – in God we trust.
Die kulturell praktische Religiosität:
Altbekannt - Um ein friedliches Weihnachtsfest zu feiern, um eine tolle Hochzeit zu haben, „a schene Leich“ zu begraben oder auch ein paar freie Tage einzuheimsen. Religiosität und Tradition werden vermischt (auch wenn sie vielleicht ganz unterschiedliche Ursprünge haben) um Geschenke zu erhalten und im Mittelpunkt zu stehen.
Die Auswüchse der Säkularisierung:
Zeigen sich im Annehmen von Symbolen, Ritualen, Baustilen usw. um die religiöse Faser in jedem Menschen zu wecken und sie für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. (vgl. Einkaufstempel)
Der (teils radikale, aber nicht unbedingt neue theoretische oder praktische)Atheismus:
Hinhaken und kritisieren ist einfach, insbesondere bei Phänomenen, die tausende Jahre alt sind, für politische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht wurden und werden (siehe oben). So wird etwa Gewalt im Dienste der Religion verurteilt, muss sie auch aus der Innensicht der Religion heraus. Somit trifft die Kritik nicht den Kern des Glaubens. Manche platte AtheistInnen (und um die geht es hier) setzen Religion mit Aberglaube, voraufgeklärten Geplänkel gleich. Doch diese Kritik nimmt Religion nicht ernst und bleibt weit hinter ihr zurück.
Im Unterschied dazu nimmt wahre Religionskritik Religion ernst und trifft dabei wieder auf sie, reibt sich an ihr und setzt sich auseinander. Diese Religionskritik kann zum Atheismus führen, manchmal aber auch dahin, dass man Religion gut reflektiert und kritisch in sein/ihr Leben aufnehmen kann und sie annimmt. - aber das soll hier nicht das Thema sein.
All jene angesprochenen Phänomene nehmen Religion nicht ernst, vielmehr wird dabei unreflektiert, unvorsichtig und oberflächlich genommen, was man brauchen kann. Den Rest lässt man links liegen.
Religion und Glauben wirklich ernst zu nehmen, nicht zu ernst, aber ernst genug, das ist wohl die Kunst. Wer weiß, ob ich über sie verfüge. Aber, ich denke, es ist die Aufgabe, einer jeden, redlich glaubenden Person, egal welcher Konfession oder Religion. Glaube gehört jeden Tag aufs neue reflektiert und die institutionalisierte Form kritisch hinterfragt. Nur dann bleibt er lebendig. Glaube ohne Zweifel und Reflexion ist tot.
Literaturtipp:
Schnädelbach Herbert, Religion in der modernen Welt, Frankfurt 2009
Literaturtipp:
Schnädelbach Herbert, Religion in der modernen Welt, Frankfurt 2009
Montag, 9. Januar 2012
Gedanken zu Atheismus und Religionsunterricht oder ein Plädoyer für den Religionsunterricht
Als Religionslehrerin, insbesondere an Berufsbildenden Höheren Schulen, stellt man – auch wenn man sich selbst nicht als weltfremd bezeichnen würde - immer wieder mit Verwunderung fest, wie wenig die Welt der Jugendlichen mit auch nur irgendeiner Form von Religiosität, Spiritualität oder ähnlichen zu tun hat. Besonders verwunderlich ist, dass sie nicht nur mit Religion nichts zu tun haben, sondern aber, dass sie sich nicht einmal an der Religion stossen. Keine harte Kritik über Papst, Kirche, Pfarrer, die Bibel oder ähnliches. - Wie ich es am Anfang erwartet hätte. Anstatt dessen – Nichts! Wohl eher Ignoranz und Gleichgültigkeit, aber keine provokanten Fragen, kein Reiben, kein Abgrenzen. - Nichts! Nada!
Beim Lesen eines Artikels des
Religionsphilosophen Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeld mit dem
Titel „Wandlungen des Phänomens und der Bedeutung des Atheismus an
der Wende zum 21. Jahrhundert“ wurde mir manches nochmal deutlicher
bewusst.
Wucherer-Huldenfeld beschreibt darin
unterschiedliche Formen von Atheismus, unter anderen die des
indifferenten bzw. des negativen Atheismus.
Der/die indifferente AtheistIn sieht
sich selbst weder als gläubigen Menschen, noch als Ungläubigen,
viel mehr steht er/sie jeglichem Meta-physischen absolut gleichgültig
und desinteressiert gegenüber. Seine/ihre neue Lebenswelt sucht
er/sie in einem ideologiefreien Raum, um sich gegen jegliche
Indoktrinierung von beiden Seiten (religiöser, wie atheistischer)
abzuschotten.
Ähnlich ist es laut
Wucherer-Huldenfeld beim negativen Atheisten, nur mit dem
Unterschied, dass dieser aus der „systematischen Austreibung“ der
Religionen und „dem notorischen Fehlen religiöser Erziehung“
hervorgegangen ist. Der Unterschied zwischen indifferenten und
negativen Atheismus ist fließend und schwer herauszufinden. Die
Folgen sind die gleichen.
Im Religionsunterricht steht man jungen
Menschen gegenüber, die entweder, weil sie zuhause oder auch in der
Schule nie wirklich von Religiosität betroffen waren (damit meine
ich im emotionalen und nicht im rationalen Sinne) oder auch aus
anderen Gründen, allem - abseits der physischen, materiellen Welt
bestehenden - mit Desinteresse gegenüberstehen.
In den Religionsunterricht geht man
vielleicht doch noch, weil es die Eltern sagen, weil die FreundInnen
gehen, weil der/die LehrerIn vielleicht ganz nett ist, weil es mal
was anderes ist, weil es den Notendurchschnitt hebt, eine weitere
Möglichkeit für ein Maturafach bietet, oder weil es beim
zukünftigen Arbeitgeber gern gesehen wird. Es gibt im, doch noch
irgendwie, christlich-religiösen Österreich doch noch viele Gründe
den Religionsunterricht zu besuchen. Im seltensten Fall – so
ehrlich muss man sich selbst gegenüber sein - ist es aus wirklichem
Interesse am Fach. Das kann man nun pessimistisch lesen. Dieser
Werteverfall... - früher war alles besser... blablabla. - Oder
auch nicht. Die oben genannten Gründe sind durchaus plausibel, in
einer Gesellschaft, die immer mehr auf Leistung und Genuss
ausgerichtet ist, sind es durchaus berechtigte Überlegungen, die die
Jugendlichen zum Besuch des Religionsunterricht bewegen. - Und ich
möchte auch keineN die ich im Unterricht habe, missen. Man kann
diesen Automatismus als ReligionslehrerIn auch für sich verwenden
und trotzdem sehen, welche wesentliche Aufgabe man doch noch
irgendwie hat. Man kann versuchen die jungen Menschen zu bewegen,
auch wenn es dazu führt, dass Kritik geübt wird, dass hinterfragt
wird. Hat man das geschafft, so ist einem schon sehr viel gelungen.
Bzw. ALLES, denn genau darum geht es. Egal aus welchem Grund die
Jugendlichen an unserem Unterricht teilnehmen, Ziel ist es sie aus
der Gleichgültigkeit zu holen und sie zumindest zum Kritisieren an
zu regen. - Denn die Zukunft braucht Menschen, denen nicht alles egal
ist, sie braucht welche, die sich Gedanken machen - egal in welche
Richtung...
Genau deshalb darf man sich nicht
entmutigen lassen, sondern sich immer wieder vor Augen führen, dass
diese (nicht unumstrittene) Aufgabe, die wir ReligionslehrerInnen
haben, eine wesentliche ist - sofern man sie richtig versteht...
Literatur: Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeld, Wandlungen des Phänomens und der Bedeutung des Atheismus an der Wende zum 21. Jahrhundert, in: ebd.u.a., Atheismus heute? Ein Weltphänomen im Wandel, Leipzig 2001, 37-52.
Donnerstag, 5. Januar 2012
Theologische Überlegungen zum Widerstand, oder warum ich mich als Christin engagiere…
Diese vermutlich nicht unumstrittene Aussage hat für mich mehrere Bedeutungen. Einerseits beschreibt es die Verfasstheit des Glaubens an sich. Der Glaube ist nichts Unerschütterliches, Starres und Sicheres. Glauben heißt sich dem Risiko auszusetzen, immer wieder überwältigt zu werden, sich immer wieder der Gefahr hinzugeben, nicht mehr glauben zu können, sein gesamtes Weltbild neu bilden zu müssen. Dies sind auch Merkmale von Revolutionen. Revolutionen sind immer Zeiten der Unsicherheit, des Umschwungs und des Neu-Überdenken-Müssens.
Andererseits hat der Glaubensinhalt auch etwas Revolutionäres. ChristIn sein bedeutet, Jesus in seinem Leben und Taten so gut wie möglich nachzufolgen. Jesus war zu seiner Zeit ein Revolutionär in seinem Denken und Handeln und ist es bis heute. Ja, er war fast radikal in seinen Forderungen, auch wenn sein Tun fast immer von Gewaltlosigkeit geprägt war. (Eine einzige Ausnahme könnte man in der so genannten Tempelreinigung – vgl. Mk 11,15-19 – erkennen.) Jesus hat sich nicht angepasst, ganz im Gegenteil, er hat sich gegen jegliche Unterdrückungen, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten aufgelehnt. Er hat auf sie hingewiesen und ihnen entgegen gehandelt. Beispiele dafür findet man in den Evangelien. Frauen und andere von der Gesellschaft ausgeschlossene werden von Jesus immer wieder integriert und aus ihrer Diskriminierung geholt (vgl. z.B.:Gespräch am Jakobsbrunnen Joh 4,1-26) Nicht zuletzt hat er sich gegen Obrigkeiten und – für ihn – sinnlose Gesetze aufgelehnt (vgl. Sabbatgebot Lk 6,6-11).
Will man Jesus also nachfolgen, so hat man auch die Verantwortung, genau das im eigenen Rahmen der Möglichkeiten weiter zu führen. ChristInnen müssen sich alleine auf Grund ihres ChristInseins gegen Ungerechtigkeiten wenden, gegen Diskriminierungen (von Frauen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, unterschiedlichen Ethnizitäten usw.) kämpfen.
Tun wir das nicht, dann verraten wir seine Botschaft. Dorothee Sölle drückt die Angst davor in ihrem Credo auf dramatische Weise aus: „Jeden Tag habe ich Angst, dass er (Jesus) umsonst gestorben ist, weil er in unseren Kirchen verscharrt ist, weil wir seine Revolution verraten haben im Gehorsam und Angst vor den Behörden.“
Damit dies nicht vollends geschieht, sehe ich uns ChristInnen in der Verantwortung, wo es möglich ist, gegen Unrecht, Hass und Diskriminierung Widerstand zu leisten. – Also seid ChristInnen und engagiert euch!
Zum Nachlesen:
Stéphane Hessel, Empört euch!, Berlin 2011
Stéphane Hessel, Engagiert euch! Im Gespräch mit Gilles Vanderpooten, Berlin 2011
Jean Ziegler, Der Aufstand des Gewissens. Die nicht-gehaltene Festspielrede 2011, Salzburg 2011
Dorothee Sölles Credo – formuliert für das Politische Nachtgebet http://www.heinzpangels.de/meditation_0225.htm
www. gleichgueltig.info oder facebook: www.facebook.com/kollektivgleichgueltig
Beitrag im Apfel Nr. 100, Zeitschrift des Österreischischen Frauenforums für Feministische Theologie
Gleichgültig ad Theologinnen: Vater unser – Mamma Mia? Frauen in der Theologie
Nicht zuletzt dank des aktuellen Aufrufs zum Ungehorsam der Priester- bzw. Laieninitative werden die Möglichkeiten von Frauen in der Kirche immer wieder – zumindest an der kirchlichen Basis – diskutiert und eine Öffnung wird gefordert. Ein Thema, das meist auf Grund seiner vielleicht fehlenden Brisanz zurück bleibt, ist die Frage, wie es mit der Wertschätzung des wissenschaftlichen Schaffens von Frauen in der Theologie steht. Diesem Thema widmet sich das Kollektiv Gleichgültig in einer Veranstaltungstrilogie. Zwei Veranstaltungen sind bereits erfolgreich über die Bühne gegangen
Kollektive Gleichgültigkeit?!
Das Kollektiv Gleichgültig hat sich im Herbst 2010 an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU) aus Studierenden (Männern wie Frauen) unterschiedlicher Fachrichtungen gebildet. Sowohl TheologInnen, als auch PhilosophInnen und KunstwissenschafterInnen sahen Missstände in der Rezeption des wissenschaftlichen Schaffens von Frauen. Aus dem gemeinsamen Bedürfnis etwas daran zu ändern, beschlossen sie eine Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen, welche sich an Hand der drei Hauptstudienrichtungen an der KTU dem wissenschaftlichen Schaffen von Frauen in eben diesen widmen wollte.
Dabei geht es dem Kollektiv weniger um die eigene feministische Aufarbeitung, viel mehr geht es darum, Raum für Diskussionen zu schaffen. Ziel ist es, aktiv aufmerksam zu machen, das Vakuum zu füllen. Anders ausgedrückt, geht es darum, nicht aus der Metaebene auf das Ungleichgewicht in der Rezeption von Männern und Frauen zu blicken, sondern Werke von Frauen zur Sprache zu bringen, ihnen Raum zu bieten und darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um ein künstliches Vakuum handelt, das auf Grund des männlich geprägten Kanons der Wissenschaften entstanden ist. Es geht dem Kollektiv darum, zu zeigen, dass es durchaus einige wesentliche Stellungnahmen von Frauen in der Philosophie, der Kunstwissenschaft und Theologie gibt, denen man Raum geben muss.
Mit dem (nicht unumstrittenen) Motto: „Was sie uns nicht geben, nehmen wir uns“ wurde diese Selbstinitiative am ersten Veranstaltungsabend zum Ausdruck gebracht.
Das Kollektiv Gleichgültig besteht aus zwischen 10 und 20 Mitgliedern, die sich je nach Thema und eigenen zeitlichen Ressourcen einbringen. So hat sich die Zusammensetzung des Kollektivs vom ersten zum zweiten Abend nicht unwesentlich geändert, das Anliegen bleibt aber gleich.
Widerstand im Sinne der Gleichgültig(-keit)
Wie der Name des Kollektivs Gleichgültig zu verstehen ist, wurde vermutlich durch das Anliegen schon klar. Es geht eben genau darum, nicht gleichgültig den festgestellten Missständen gegenüber zu stehen, sondern sich ihnen entgegenzustellen. Man kann es auch als einen aktiven Widerstand gegen die immer weiter um sich fassende Gleichgültigkeit der Gesellschaft, in der wir leben, sehen. Das Kollektiv möchte der Tatsache, dass Menschen Themen, die sie selber nicht betreffen, immer öfter kalt lassen, entgegen wirken.
Warum man nicht auch die Negation in den Namen nimmt, resultiert aus dem Anliegen. Dem Kollektiv Gleichgültig geht es darum – im wörtlichen Sinne – eine Gleich-Gültigkeit herzustellen, also das Schaffen von Frauen – im Falle der hier angesprochenen Veranstaltungsreihe – dem Schaffen von Männern in den Wissenschaften gleich – zustellen. Ihnen die gleiche Gültigkeit, die gleiche Rezeption zu geben.
Gleichgültig ad… - Die Veranstaltungsreihe:
Den oben genannten Raum für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Schaffens von Frauen, schafft das Kollektiv in einem ersten Schritt durch die bereits erwähnte Veranstaltungsreihe „Gleichgültig ad…“. Dabei wird an je einem Abend das Werken und Wirken von Frauen in der Philosophie, der Theologie und der Kunstwissenschaft beleuchtet. Begonnen wurde im April 2010 mit der „ad Philosophinnen“-Veranstaltung. Dabei wurden konkrete Vertreterinnen aus den verschiedenen Jahrhunderten von StudentInnen vorgestellt. So ging es etwa um Aspasia von Milet, Bertha von Suttner, Hannah Arendt, Hildegard von Bingen, Hypatia von Alexandria, Martha Nussbaum oder Virginia Woolf. Das Anliegen des Kollektivs war es, aufzuzeigen, dass es immer schon wichtige Beiträge von Frauen in der Philosophie gab. Die Veranstaltung zeigte ihre Wirkung, insbesondere an der KTU. Es entstand ein Diskurs rund um die Beiträge und um das Anliegen des Kollektivs. Verschiedene ProfessorInnen nahmen die Anregungen auf und brachten auch in ihren Lehrveranstaltungen vermehrt PhilosophINNEN ein. Die darauf folgende Veranstaltung, auf die im kommenden Absatz noch genauer eingegangen werden soll, war „Gleichgültig ad Theologinnen“, die im Mai 2011 stattfand. Die Veranstaltung im nächsten Studienjahr wird den Kunstwissenschafterinnen gewidmet werden.
Vater unser – Mamma Mia? Frauen in der Theologie
Unter diesem Titel fand die zweite Veranstaltung des Kollektivs statt. Der Schwerpunkt lag dabei darin, zwei zentrale Theologinnen vorzustellen und davon ausgehend das breite Spektrum der feministischen Debatte in der Theologie zu thematisieren.
Für den Einführungsvortrag konnte DDr.in. Theresia Heimerl, Religionswissenschafterin und derzeitige Studiendekanin an der Katholisch Theologischen Fakultät der Karl Franzens Universität Graz gewonnen werden. Unter dem Titel „Himmlische Ekstase und göttliche Selbstvergessenheit: Mechthild von Magdeburg und Marguerite Porete – zwei radikale Gottesrednerinnen des Spätmittelalters“ stellte sie das Werken und Wirken der beiden Frauen dar. Beide waren in ihrer Zeit nicht unumstritten und eckten in ihrer je eigenen Art beim kirchlichen Lehramt an. Ausgehend von diesem Vortrag wurden in fünf verschiedenen Workshops die Themen des Vortrags vertieft: Interaktiv wurden dabei etwa die Rolle von Frauen in den Wissenschaften, der Kirche und der Theologie (durch Maria Dammayr und Kristina Binner - JKU), die Relevanz der Bibel in gerechter Sprache (Klara Porsch – KTU), die Gemeinschaft der Beginen (Mario Rudelstorfer - KTU), feministische Aspekte der Befreiungstheologie (Franz Xaver Mohr - KTU) oder auch weibliche Gottesbilder (von Christa Mitter - KTU) bearbeitet. Im Anschluss dazu fand eine Diskussion im Plenum statt, bei der die Ergebnisse der Workshops ausgetauscht werden konnten und eine Verbindung zum vorangehenden Vortrag von Frau Heimerl gefunden wurde. Nämlich die Frage ob und wie sich die Situation von Theologinnen seit dem Spätmittelalter geändert hat. Geändert hat sie sich tatsächlich, da Frauen inzwischen nicht nur im Rahmen von Ordensgemeinschaften studieren können und für „zweifelhafte“ Lehren nicht mehr am Scheiterhaufen verbrannt werden. Trotzdem bleibt eine Grundvorsicht. Viele Theologinnen nehmen sich noch heute so manches Blatt vor den Mund. Denn trotz allem zeigt die Erfahrung, dass man als Frau und damit Laie, austauschbarer für das kirchliche System ist. Auf Priester (Männer) wird weniger gern verzichtet. Weiters war für die BesucherInnen interessant festzustellen, welche Strategien die Frauen des Spätmittelalters anwandten, um ihre Lehren vertreten zu können. In Hildegard von Bingens Texten finden sich z. B. geschickte Formulierungen, in denen sie sich selbst als Frau neben den Kirchenvätern und Bischöfen vermeintlich klein macht, um im Endeffekt Unterstützung für ihre Lehren zu bekommen. Fazit des Abends war, dass sich zwar im Laufe der Zeit einiges an der Rezeption und Wertschätzung von Frauen in der Theologie geändert hat und gegenwärtige Theologinnen einiges von ihren „Müttern“ lernen können, dass aber auch noch vieles zu tun bleibt. Das Anliegen des Kollektivs konnte jedenfalls erreicht werden, die Frauen fanden ihre Rezeption und es wurden einige Denkanstösse durch die ExpertInnen gegeben.
Wie es weiter geht…
Auch wenn ebenso die zweite Veranstaltung ihre Spuren an der KTU hinterlassen hat, ist das Anliegen des Kollektivs noch nicht erfüllt. Denn es hat sich das vielleicht hochgesteckte Ziel zur Aufgabe gemacht, eine nachhaltige Bewusstseinsbildung zu erreichen. Daher wird die Trilogie (nach der Veranstaltung zu den Kunstwissenschafterinnen) nicht das Ende der Bemühungen darstellen. In den letzten Treffen kam eine Ausrichtung zur Sprache, die aus den Anfängen des Kollektivs stammt. Auch wenn es sich im ersten Schritt dem Gleich-Gültig-Machen von Frauen in den Wissenschaften gewidmet hat, so war die ursprüngliche Ausrichtung eine breitere. Anliegen war es nicht nur das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern zur Sprache zu bringen, sondern generell auf Un-Gleich-Gültigkeiten aufmerksam zu machen. Also, sich dort einzusetzen, wo etwas anderen gleichgültig ist, sich gegen Zustände auflehnen, die Menschen nicht als gleich-gültig beachten. Wenn man mit offenen Augen und Ohren der Welt begegnet und einem nicht alles gleichgültig ist, dann weiß man – es gibt noch viel zu tun.
Beitrag für den Apfel - Zeitschrift des Österreichischen Frauenforums für Feministische Theologie Nr. 100
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