Am gestrigen Linzfest konnte ich endlich eine Band sehen, die ich schon immer live sehen wollte: Christoph & Lollo, bekannt für ihre Schispringer Lieder oder auch das Lied Karl Heinz.
Theologisch interessant, war neben den allgemein sehr kritischen Texten, besonders ein Lied, namens "Pfingsten". Passend - am Pfingstwochenende.
Im Text wird Pfingsten als das schönste, aller Feste beschrieben, weil es keine Geschenke gibt, keine Familienfeier, "nur blöde Bräuche, die kein Mensch braucht" und die auch keinen interessieren. Christoph & Lollo outen sich auch, insofern, dass sie nicht wissen, warum man Pfingsten feiert - was sie wohl mit vielen Menschen, die diese freien Tage genießen und dankend annehmen, verbindet.
Doch das ist nicht das Highlight des Liedes, sondern vielmehr die Zeile "Denn der Grund warum man Pfingsten liebt, ist weil Pfingsten sich so bescheiden gibt."
Biblisch betrachtet, eher Nonsens. Denn biblisch betrachtet ist Pfingsten wohl genau das Gegenteil. Das Ereignis, auf das die Gründung des Christentums zurückgeht, ist vielmehr ein riesen Spektakel, mit heftigen Stürmen, Feuerzungen und Jüngern, die in fremden Sprachen zu reden beginnen. Man stelle sich dies mal bildlich vor! Klar, dass die Galiläer sofort an den Geist in anderer Form dachten, also, glaubten, die Jünger seien betrunken. Doch Petrus klärt sie auf, sie sind nicht betrunken - dafür ist es noch viel zu früh - erst die dritte Stunde am Morgen. (vlg. Apg 2, 15. - ein netter humoristischer Einwurf, wie ich finde.) Vielmehr erfüllt sich die Weissagung des Propheten Joel. Ja - jetzt erfüllt sich auch noch eine Weissagung. Also von Bescheidenheit keine Spur.
Genau deshalb habe ich vor einigen Jahren eine Gemeinde wohl auch ziemlich verwundert, als ich im Zuge meines Pfarrpraktikums zu Pfingsten die Schrift auslegen durfte.
Ich redete davon, dass sich der Heilige Geist auch und nicht zuletzt im Kleinen zeigt. - Ja, das klingt wohl eher nach Christoph & Lollo und weniger nach der christlichen heiligen Schrift.
Trotzdem bleib ich dabei. Denn dieses Großereignis, dieses Spektakel kann man wohl als Ausgangspunkt einer Bewegung sehen, die sich bis heute weiterführt, doch diese Bewegung selbst, zeigt sich nicht mehr in den großen Spektakeln, mit Feuerzungen usw. Vielmehr zeigt sich oder sollte sich Christsein in den kleinen Dingen, im Alltag zeigen.
Die Jünger konnten nach diesem Pfingstereignis die Menschen verstehen und auch deren Sprache sprechen, ja und genau darum geht es. Versteht man die Sprache der Menschen, dann kann man zuhören, kann man zuhören, dann kann man für sie da sein, kann man für sie da sein, dann kann man ihnen vielleicht auch etwas vermitteln und, was viel wichtiger ist, ihnen helfen.
Ja, das ist Pfingsten, das bescheidene Fest, das uns eigentlich ermächtigen sollte, zuzuhören und zu verstehen…
(Hier noch der Link zum Text von Pfingsten: http://www.christophundlollo.com/texte/pages/pfingsten.htm)
Sonntag, 19. Mai 2013
Montag, 4. Februar 2013
Das katholische Prinzip
"Hände falten, Goschen halten" ein doch bekannter Slogan, den ich aus so mancher kirchen- und religionskritischen Kampagne von linken SchülerInnen- oder Jugendorganisationen im Ohr habe.
Gleichzeitig ein Slogan dessen, dahinter versteckten, Vorwurf gegenüber der Kirche bzw. konkreter gegenüber ChristInnen ich lange Zeit nicht nachvollziehen konnte.
Verstehe ich doch die christlich-jesuanische und damit auch katholische Botschaft als einen Aufruf zum Ungehorsam, zum "Aufmucken". Dazu, seine Meinung zu sagen, eben nicht die Hände zu falten, zuzuschauen und den Mund zu halten.
Doch die Realität belehrt mich - abseits der mir bewussten hierarchischen und organisatorischen Enge der Kirche - eines besseren. Anscheinend ist "Hände falten, Goschen halten" doch ein katholisches Prinzip. So ist ihm so mancher katholische Würdenträger hinsichtlich der Missbrauchsfälle gefolgt - was wohl das dramatischste Beispiel ist. Viele (junge) Menschen mussten leiden und leiden bis heute unter den Folgen.
Oder es wenden sich Kardinäle und Bischöfe gegen genau jene Personen, die eben nicht den Mund halten wollen und sich aus ihrem christlichen Verständnis heraus zum Beispiel für AsylwerberInnen einsetzen.
Aber auch im mehr oder weniger kleinen folgen dem Prinzip so manche Verantworlichen der Katholischen Kirche bzw. ihrer Unterorganisationen oder Einrichtungen im täglichen Leben.
Es spannt sich bis hin zu katholischen Bildungseinrichtungen (um die es mir hier vielmehr geht), die lieber den Schleier der Vertuschung über aktuelle Vorkommnisse spannen, als eine umfangreiche Information und Aufklärung bzw. die Übernahme von Verantwortung anzustreben.
Traurig, sehr traurig! Und wohl eher Goschn halten, als jesuanische Liebe zur Wahrheit und Offenheit.
Ja, da wird zugeschaut, wenn Schindluder mit Macht betrieben wird, die Ellbogen ausgefahren werden um den Karrieresprung zu machen, wenn unmenschlich gehandelt wird. Wenn Gesetze und Regeln wichtiger sind als die Menschen.
Gleichzeitig herrscht Willkür in der Umsetzung und der Einforderung des Einhaltens von Regeln. Manche sind eben gleicher als andere. So dürfen sich die einen mehr herausnehmen, ihre Verantwortung frei auslegen, sie nur dort annehmen, wo sie möchten. Bei den anderen werden sie enger ausgelegt. Leider oftmals bei Menschen, die ihrem Gewissen folgen.
Ja und so stelle ich mir nun am Ende des Textes auch die Frage, ob ich ihn bloggen soll, oder ob es mir als Religionslehrerin nicht viel mehr schaden könnte… Könnte es wohl, aber ich möchte es trotzdem riskieren, weil eben "Hände falten, Goschen halten" erstens nicht das ist, was ich kann, zweitens nicht das ist, was ich als die Botschaft Jesu empfinden und drittens nicht das ist, was ich will.
Gleichzeitig ein Slogan dessen, dahinter versteckten, Vorwurf gegenüber der Kirche bzw. konkreter gegenüber ChristInnen ich lange Zeit nicht nachvollziehen konnte.
Verstehe ich doch die christlich-jesuanische und damit auch katholische Botschaft als einen Aufruf zum Ungehorsam, zum "Aufmucken". Dazu, seine Meinung zu sagen, eben nicht die Hände zu falten, zuzuschauen und den Mund zu halten.
Doch die Realität belehrt mich - abseits der mir bewussten hierarchischen und organisatorischen Enge der Kirche - eines besseren. Anscheinend ist "Hände falten, Goschen halten" doch ein katholisches Prinzip. So ist ihm so mancher katholische Würdenträger hinsichtlich der Missbrauchsfälle gefolgt - was wohl das dramatischste Beispiel ist. Viele (junge) Menschen mussten leiden und leiden bis heute unter den Folgen.
Oder es wenden sich Kardinäle und Bischöfe gegen genau jene Personen, die eben nicht den Mund halten wollen und sich aus ihrem christlichen Verständnis heraus zum Beispiel für AsylwerberInnen einsetzen.
Aber auch im mehr oder weniger kleinen folgen dem Prinzip so manche Verantworlichen der Katholischen Kirche bzw. ihrer Unterorganisationen oder Einrichtungen im täglichen Leben.
Es spannt sich bis hin zu katholischen Bildungseinrichtungen (um die es mir hier vielmehr geht), die lieber den Schleier der Vertuschung über aktuelle Vorkommnisse spannen, als eine umfangreiche Information und Aufklärung bzw. die Übernahme von Verantwortung anzustreben.
Traurig, sehr traurig! Und wohl eher Goschn halten, als jesuanische Liebe zur Wahrheit und Offenheit.
Ja, da wird zugeschaut, wenn Schindluder mit Macht betrieben wird, die Ellbogen ausgefahren werden um den Karrieresprung zu machen, wenn unmenschlich gehandelt wird. Wenn Gesetze und Regeln wichtiger sind als die Menschen.
Gleichzeitig herrscht Willkür in der Umsetzung und der Einforderung des Einhaltens von Regeln. Manche sind eben gleicher als andere. So dürfen sich die einen mehr herausnehmen, ihre Verantwortung frei auslegen, sie nur dort annehmen, wo sie möchten. Bei den anderen werden sie enger ausgelegt. Leider oftmals bei Menschen, die ihrem Gewissen folgen.
Ja und so stelle ich mir nun am Ende des Textes auch die Frage, ob ich ihn bloggen soll, oder ob es mir als Religionslehrerin nicht viel mehr schaden könnte… Könnte es wohl, aber ich möchte es trotzdem riskieren, weil eben "Hände falten, Goschen halten" erstens nicht das ist, was ich kann, zweitens nicht das ist, was ich als die Botschaft Jesu empfinden und drittens nicht das ist, was ich will.
Statt dessen halte ich mich lieber an dieses Prinzip:

Freitag, 25. Januar 2013
Wir machen uns die Welt - wie sie uns gefällt?!
Eine Frage, die mich in so mancher schlaflosen Nacht beschäftigt hat und gestern aus aktuellem Anlass um so mehr:
Warum ist die Welt so wie es ist? Warum werden bestehende Machtverhältnisse immer wieder gestützt, getragen und ausgebaut.
Keine neuen Fragen, aber wohl aus der Aktualität heraus umso brennender.
Aus gegebenen Anlass und nach intensiven Beobachtungen und Mitverfolgungen der Vorgänge einer, hier nicht näher zu nennenden Organisation heraus, kam ich zu dem Schluss:
Die Welt ist so wie sie ist, weil es einige, und gleichzeitig viel zu viele Menschen gibt, die nach wie vor - oftmals trotz christlichen oder anderen scheinbar auf Solidarität ausgerichteten Idealen - mit ausgefahrenen Ellbogen nach Macht streben und dort dann die Hände weit aufmachen, sich zu arbeiten lassen und auch zum Teil viel Geld, "Prestige" und Anerkennung einstecken.
Warum kann das passieren?
Getan von Menschen die offensichtlich nicht aus redlichen Motiven heraus handeln. Nach außen vielleicht freundlich, zuvorkommend sind, aber mit etwas Menschenkenntnis kann man merken, dass sie nur gemäß ihrer eigenen Interessen handeln. Manche machen sich nicht mal mehr die Mühe und zeigen gute Miene zum bösen Spiel und trotzdem erlangen sie das, was sie möchten.
Warum kann das passieren?
Weil es nach wie vor viel zu viele Lemminge gibt, die einfach neben- oder hinterher trotten, nicht links und rechts schauen, im Sinne des bekannten Bildes der drei Affen Augen, Ohren und Mund verschließen und sich so passiv unterwerfen.
Was sich aus diesem Mitläufertum oder auch aus dieser ignoranten Einstellung heraus entwickeln kann, haben die Generationen vor uns schmerzhaft miterleben dürfen.
Warum kann das passieren?
Wohl, weil es viel zu wenige Menschen gibt, die sich ihre Kritikfähigkeit erhalten, mit offenen Augen, Ohren und Mund und mit einem gewissen Sinn für die Feinheiten durchs Leben gehen. Oder auch, weil die Menschen auf Grund der großen Anzahl an Lemmingen und EllbogentechnikerInnen eingeschüchtert sind und nicht mehr ihren Instinkten vertrauen…
Warum kann das passieren?
Weil wir oder auch "das System", die gesellschaftliche Verfassung, die Bildung, die Menschen zu genau diesen Personen machen. Zu braven Trotteln, die nachlatschen, nicht kritisch nachfragen (denn die braven, auswendig lernenden SchülerInnen sind ja die "besseren"), nicht reflektieren, sich nicht die eigenen Gedanken machen, sondern mit verschlossenen Mund, Ohren und Augen durch das Leben gehen.
Gleichzeitig nehmen wir ihnen eben das Denken ab, durch Ausbreitung von "Service", so dass die Menschen oft nicht mal mehr nachdenken müssen, wohin sie gehen, weil an jeder Ecke jemand steht, der einem sagt wohin man muss (wie ich es an us-amerikanischen Flughäfen erfahren habe). Den Menschen wird die Eigenverantwortung systematisch, langsam kontinuierlich entzogen, so werden sie zu Lemmingen erzogen und so wird weiter geschwiegen, nicht kritisch nachgefragt, nicht reflektiert… und so schließt sich der Kreis - fürchte ich…
Doch ich bin kein pessimistischer Mensch - noch nicht.
Also, was kann man tun?! - Selbst die Augen, Ohren und vor allem den Mund öffnen, dies auch anderen Menschen mitgeben, andere aufrütteln, seine eigenen Handlungen immer wieder neu überdenken, die eigenen Motive reflektieren, und das immer wieder aufs neue und wieder aufs neue, aufs neue, aufs neue… Dann öffnet sich der Kreis - hoffentlich!
Warum ist die Welt so wie es ist? Warum werden bestehende Machtverhältnisse immer wieder gestützt, getragen und ausgebaut.
Keine neuen Fragen, aber wohl aus der Aktualität heraus umso brennender.
Aus gegebenen Anlass und nach intensiven Beobachtungen und Mitverfolgungen der Vorgänge einer, hier nicht näher zu nennenden Organisation heraus, kam ich zu dem Schluss:
Die Welt ist so wie sie ist, weil es einige, und gleichzeitig viel zu viele Menschen gibt, die nach wie vor - oftmals trotz christlichen oder anderen scheinbar auf Solidarität ausgerichteten Idealen - mit ausgefahrenen Ellbogen nach Macht streben und dort dann die Hände weit aufmachen, sich zu arbeiten lassen und auch zum Teil viel Geld, "Prestige" und Anerkennung einstecken.
Warum kann das passieren?
Getan von Menschen die offensichtlich nicht aus redlichen Motiven heraus handeln. Nach außen vielleicht freundlich, zuvorkommend sind, aber mit etwas Menschenkenntnis kann man merken, dass sie nur gemäß ihrer eigenen Interessen handeln. Manche machen sich nicht mal mehr die Mühe und zeigen gute Miene zum bösen Spiel und trotzdem erlangen sie das, was sie möchten.
Warum kann das passieren?
Weil es nach wie vor viel zu viele Lemminge gibt, die einfach neben- oder hinterher trotten, nicht links und rechts schauen, im Sinne des bekannten Bildes der drei Affen Augen, Ohren und Mund verschließen und sich so passiv unterwerfen.
Was sich aus diesem Mitläufertum oder auch aus dieser ignoranten Einstellung heraus entwickeln kann, haben die Generationen vor uns schmerzhaft miterleben dürfen.
Warum kann das passieren?
Wohl, weil es viel zu wenige Menschen gibt, die sich ihre Kritikfähigkeit erhalten, mit offenen Augen, Ohren und Mund und mit einem gewissen Sinn für die Feinheiten durchs Leben gehen. Oder auch, weil die Menschen auf Grund der großen Anzahl an Lemmingen und EllbogentechnikerInnen eingeschüchtert sind und nicht mehr ihren Instinkten vertrauen…
Warum kann das passieren?
Weil wir oder auch "das System", die gesellschaftliche Verfassung, die Bildung, die Menschen zu genau diesen Personen machen. Zu braven Trotteln, die nachlatschen, nicht kritisch nachfragen (denn die braven, auswendig lernenden SchülerInnen sind ja die "besseren"), nicht reflektieren, sich nicht die eigenen Gedanken machen, sondern mit verschlossenen Mund, Ohren und Augen durch das Leben gehen.
Gleichzeitig nehmen wir ihnen eben das Denken ab, durch Ausbreitung von "Service", so dass die Menschen oft nicht mal mehr nachdenken müssen, wohin sie gehen, weil an jeder Ecke jemand steht, der einem sagt wohin man muss (wie ich es an us-amerikanischen Flughäfen erfahren habe). Den Menschen wird die Eigenverantwortung systematisch, langsam kontinuierlich entzogen, so werden sie zu Lemmingen erzogen und so wird weiter geschwiegen, nicht kritisch nachgefragt, nicht reflektiert… und so schließt sich der Kreis - fürchte ich…
Doch ich bin kein pessimistischer Mensch - noch nicht.
Also, was kann man tun?! - Selbst die Augen, Ohren und vor allem den Mund öffnen, dies auch anderen Menschen mitgeben, andere aufrütteln, seine eigenen Handlungen immer wieder neu überdenken, die eigenen Motive reflektieren, und das immer wieder aufs neue und wieder aufs neue, aufs neue, aufs neue… Dann öffnet sich der Kreis - hoffentlich!
Donnerstag, 15. März 2012
Wer nichts weiß, muss alles glauben?! Das Phänomen des (neuen) Atheismus zwischen Atheismus und Religionskritik (Arbeitstitel)
Abstract zum Konzept meiner Dissertation (Fachbereich Philosophie)
Das Phänomen des so genannten "neuen Atheismus" hat seit ca. 2005 - wohl entfacht durch die Anschläge des 11.09.2001 - eine neue Brisanz in die Diskussion rund um Religion und deren Kritik gebracht. Autoren wie Richard Dawkins, Michel Onfray, Christopher Hitchens, Sam Harris, Michael Schmidt-Salomon und einige andere publizierten quasi im Monatstakt religionskritische und selbsternannt atheistische, meist extrem polemische, streitbare Schriften, in denen die Religion als Feind des Humanismus oder auch als ablegbarer evolutionärer Vorteil dargestellt wird.
Neu ist – auf den ersten Blick - vor allem die harte Sprache und die Konzentration auf neue wissenschaftliche - zb (neuro-)biologische - Erkenntnisse, bzw. das Konzentrieren und nahezu endlose Ausführen von Gräueltaten im Namen der Religion. Ansonsten lassen sich viele Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen traditioneller Religionskritik (Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud) und den "neuen Atheismen" finden. Das atheistische Rad wurde nicht neu erfunden, soweit die – gängige - Annahme, die in der Dissertation überprüft werden soll.
Bezug nehmend auf andere vorgeschlagene Kategorisierungen etwa vom Philosophen Wucherer-Huldenfeld, Gregor Maria Hoff oder auch Thomas Schärtel möchte ich versuchen eine eigene Vorzunehmen und an Hand dessen modellhaft die Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede der Positionen der so genannten traditionellen Religionskritik und des neuen Atheismus darzustellen. Die Kriterien boten dabei die Art des Zugangs der Religionskritik, der atheistischen Theorie. So gibt es Positionen, die etwa die Funktionen oder die Funktionalisierung der Religion kritisieren (vgl. Karl Marx, Sigmund Freud, Sloterdijk), andere sehen die Religion auf Grund von - im weitesten Sinne - evolutionären Prozessen hinfällig (vgl. Nietzsche, Dawkins und Dennett), weitere kritisieren vor allem die (Un-) Menschlichkeit der Religion und ihre brutalen Auswüchse (Feuerbach, Onfray, Michael Schmidt-Salomon) und die analytische Philosophie führt die Religion an Hand ihrer sprachlichen Darstellung ad absurdum.
Dem steht eine weitere Position fast gegenüber, oder auch zwischen den "Fronten", nämlich der Zugang von Herbert Schnädelbach, der sich selbst als frommen Atheisten bezeichnet, der sich von den "konfessionellen" oder auch "kämpferischen" Atheisten abgrenzt und es eigentlich schade findet, dass er nicht glauben kann. Er sagt: Ich glaube nicht, dass Gott existiert, im Gegensatz zu den oben genannten, die sagen Ich glaube, dass Gott nicht existiert.
Dazu in Bezug steht ein quasi praktischer Atheismus, der aber genauso ein theoretischer Atheismus ist, nämlich der organisierte Atheismus. Beispiele dafür sind etwa die Giordano-Bruno-Stiftung (ausgehend von Deutschland), The Brights aus den USA, oder auch die Konfessionslosen aus Österreich mit deren populären Vertreter Heinz Oberhummer, die ihre Ansichten als Politikum nutzen.
Doch sind diese so genannten Atheisten wirklich alle Atheisten oder versteckt sich diese radikalere Position eigentlich hinter dem Deckmantel der Religionskritik? Dies gilt es in der genauen Analyse zu überprüfen.
De facto kratzen viele der atheistisch-religionskritischen Theorien mit ihrer Kritik nur an der Oberfläche der religiösen Vorstellungen und Annahmen. Den Kern der Religion versuchen die Atheisten durch einen weitere Schritt zu erreichen. Sie setzen Religionskritik mit der Aufklärung gleich, spielen Religion gegen Vernunft bzw. Glaube gegen Wissen aus und bezeichnen dadurch jeglichen Glauben als etwas durch die Aufklärung erledigtes. Dies gilt es in einem letzten Schritt anhand von Schriften, wie etwa der Dialektik der Aufklärung (Adorno und Horkheimer) oder Glaube und Wissen (Habermas) zu dekonstruieren.
Forschungsfrage:
Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede können zwischen traditioneller Religionskritik und neuem Atheismus, bzw. den Ansichten des organisierten Atheismus (spezieller Blick auf Österreich) gefunden werden? Wo werden die Begriffe Atheismus und Religionskritik in der Zuschreibung der Positionen nicht klar verwendet und welche können daher tatsächlich als Atheismen bezeichnet werden und welche als Religionskritiken? Welche philosophischen Konzepte lösen die dahinter stehende Differenzierung zwischen Vernunft und Religion bzw. Wissen und Glaube auf?
Nachtrag: "Wer nichts weiß, muss alles glauben" ist das Zitat eines Slogans einer von Heinz Oberhummer gestalteten Radiosendung auf FM4.
Nachtrag: "Wer nichts weiß, muss alles glauben" ist das Zitat eines Slogans einer von Heinz Oberhummer gestalteten Radiosendung auf FM4.
Mittwoch, 29. Februar 2012
Woher kommt der Sinn?
Herbert Schnädelbach (man merkt, dass ich ihn gerade lese...) kritisiert in seinem Text „Mit oder ohne Gott? Ansichten des Atheismus“ im Exkurs über den Sinn von „Sinn“, die Konjunktur, die dieser Begriff in der Gegenwart erfährt. Er hält den Sinn „für einen grammatikalischen Fetisch“ und er stellt fest, dass sich das religiöse Bedürfnis immer in den der Frage nach dem Sinn zeige. Gleichzeitig fragt er sich, ob es tatsächlich so ist, dass SeelsorgerInnen nach dem Sinn im religiösen Zusammenhang gefragt werden, ist es wirklich so, dann handelt es sich dabei seiner Auffassung nach „um das Nachreden einer kaum verständlichen, halbgebildeten Redeweise, der zufolge religiöse Fragen Sinnfragen seien.“
Für ihn ist die wahre Frage nach dem Sinn eine ganz andere, die nicht mit Religiosität in Zusammenhang steht und deren Antwort vielmehr ein Plural als ein Singular ist.
Für ihn ist die wahre Frage nach dem Sinn eine ganz andere, die nicht mit Religiosität in Zusammenhang steht und deren Antwort vielmehr ein Plural als ein Singular ist.
Dieser Gedanke gab mir den Anstoss, das auf bezogen auf mein eigenes Leben zu reflektieren. Dabei musste ich auch feststellen:
Religion gibt meinem Leben nicht Sinn, sondern vielmehr die Form... Die Rituale, formen die Lebensübergänge, die ethischen Grundregeln formen mein Handeln. Der Glaube an einen Gott zu dem ich in Beziehung treten kann, gibt mir (manchmal, idealerweise oft) Halt, das Vorbild Jesu formt meine Art zu Leben.
Sinn gibt mir anderes, Sinn gibt mir meine Bildung, meine Tätigkeit, mein Job. Meinem Leben gibt meine Beziehung, meine Beziehungen, also die mehr oder weniger engen Freundschaften und meine Familie Sinn. Sinn geben mir auch gute Gespräche, schöne Abende, unvergessliche Erlebnisse.
... aber die Religion, gibt die Sinn?! Versucht man vielleicht nicht einfach der Religion durch den Bezug zum Sinn des Lebens einen besonderen Stellenwert zu geben? Aber ist die Form des Lebens nicht auch etwas so sehr Wesentliches...?!
Literaturtipp: Schnädelbach Herbert, Mit oder ohne Gott? Ansichten des Atheismus, in: derselbe, Religion in der moderenen Welt, Frankfurt 2009.
Montag, 20. Februar 2012
Ernst genommene Religiosität ist ernst zu nehmende Religiosität
Der Philosoph und bekennende „fromme Atheist“ Herbert Schnädelbach schreibt im Vorwort zu seinem Buch „Religionen in der modernen Welt“, dass in dem jetzigen postreligiösen Zeitalter Religion nicht mehr ernst genommen wird und sich die Menschen viel lieber an ihre jeweils verwertbaren Teilaspekte halten.
Damit hat er mir direkt aus meinem Herzen geschrieben. - Denn er fasst damit Phänomene zusammen, die mich schon einige Zeit beschäftigen und bringt sie auf den Punkt. Dass Religion nicht mehr ernst genommen wird, zeigt sich im Umgang mit ihren Inhalten, Ritualen, Symbole und Werten. Das sieht man etwa in folgenden Phänomenen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Neue Religiosität und Spiritualität:
Auch wenn man es grundsätzlich für gut befinden muss, dass sich Menschen der Spiritualität zuwenden. In vielfacher Hinsicht werden die Religionen, sei es das Christentum, der Hinduismus oder der Buddhismus nicht mehr ernstgenommen. Sie werden wahrgenommen, zerstückelt, neu sortiert bzw. wieder neu zusammengesetzt. Dies zeigt sich insbesondere, wenn es um die radikale Erfahrung des Todes geht. Also hier etwas Himmel, dort etwas Reinkarnation und dann doch wieder Kontakt mit den Verstorbenen.
Fundamentalismus (aller Monotheismen):
Die Religion wird zur Politik. Vermeintlich christliche, jüdische oder muslimische Werte instrumentalisiert, so dass sie den politischen Ansichten und Anliegen entsprechen. Da wird etwa das Gebot der Nächstenliebe verkehrt und zum Kampf gegen andere Religionen aufgerufen, gegen andere Völker, um Territorien zu sichern oder sie zu erweitern. Es werden Frauen in schwierigen Schwangerschaftssituationen zu Mörderinnen verunglimpft, Homosexuelle zu Tieren degradiert und das alles um den nächsten Wahlkampf zu gewinnen – in God we trust.
Die kulturell praktische Religiosität:
Altbekannt - Um ein friedliches Weihnachtsfest zu feiern, um eine tolle Hochzeit zu haben, „a schene Leich“ zu begraben oder auch ein paar freie Tage einzuheimsen. Religiosität und Tradition werden vermischt (auch wenn sie vielleicht ganz unterschiedliche Ursprünge haben) um Geschenke zu erhalten und im Mittelpunkt zu stehen.
Die Auswüchse der Säkularisierung:
Zeigen sich im Annehmen von Symbolen, Ritualen, Baustilen usw. um die religiöse Faser in jedem Menschen zu wecken und sie für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. (vgl. Einkaufstempel)
Der (teils radikale, aber nicht unbedingt neue theoretische oder praktische)Atheismus:
Hinhaken und kritisieren ist einfach, insbesondere bei Phänomenen, die tausende Jahre alt sind, für politische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht wurden und werden (siehe oben). So wird etwa Gewalt im Dienste der Religion verurteilt, muss sie auch aus der Innensicht der Religion heraus. Somit trifft die Kritik nicht den Kern des Glaubens. Manche platte AtheistInnen (und um die geht es hier) setzen Religion mit Aberglaube, voraufgeklärten Geplänkel gleich. Doch diese Kritik nimmt Religion nicht ernst und bleibt weit hinter ihr zurück.
Im Unterschied dazu nimmt wahre Religionskritik Religion ernst und trifft dabei wieder auf sie, reibt sich an ihr und setzt sich auseinander. Diese Religionskritik kann zum Atheismus führen, manchmal aber auch dahin, dass man Religion gut reflektiert und kritisch in sein/ihr Leben aufnehmen kann und sie annimmt. - aber das soll hier nicht das Thema sein.
All jene angesprochenen Phänomene nehmen Religion nicht ernst, vielmehr wird dabei unreflektiert, unvorsichtig und oberflächlich genommen, was man brauchen kann. Den Rest lässt man links liegen.
Religion und Glauben wirklich ernst zu nehmen, nicht zu ernst, aber ernst genug, das ist wohl die Kunst. Wer weiß, ob ich über sie verfüge. Aber, ich denke, es ist die Aufgabe, einer jeden, redlich glaubenden Person, egal welcher Konfession oder Religion. Glaube gehört jeden Tag aufs neue reflektiert und die institutionalisierte Form kritisch hinterfragt. Nur dann bleibt er lebendig. Glaube ohne Zweifel und Reflexion ist tot.
Literaturtipp:
Schnädelbach Herbert, Religion in der modernen Welt, Frankfurt 2009
Literaturtipp:
Schnädelbach Herbert, Religion in der modernen Welt, Frankfurt 2009
Montag, 9. Januar 2012
Gedanken zu Atheismus und Religionsunterricht oder ein Plädoyer für den Religionsunterricht
Als Religionslehrerin, insbesondere an Berufsbildenden Höheren Schulen, stellt man – auch wenn man sich selbst nicht als weltfremd bezeichnen würde - immer wieder mit Verwunderung fest, wie wenig die Welt der Jugendlichen mit auch nur irgendeiner Form von Religiosität, Spiritualität oder ähnlichen zu tun hat. Besonders verwunderlich ist, dass sie nicht nur mit Religion nichts zu tun haben, sondern aber, dass sie sich nicht einmal an der Religion stossen. Keine harte Kritik über Papst, Kirche, Pfarrer, die Bibel oder ähnliches. - Wie ich es am Anfang erwartet hätte. Anstatt dessen – Nichts! Wohl eher Ignoranz und Gleichgültigkeit, aber keine provokanten Fragen, kein Reiben, kein Abgrenzen. - Nichts! Nada!
Beim Lesen eines Artikels des
Religionsphilosophen Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeld mit dem
Titel „Wandlungen des Phänomens und der Bedeutung des Atheismus an
der Wende zum 21. Jahrhundert“ wurde mir manches nochmal deutlicher
bewusst.
Wucherer-Huldenfeld beschreibt darin
unterschiedliche Formen von Atheismus, unter anderen die des
indifferenten bzw. des negativen Atheismus.
Der/die indifferente AtheistIn sieht
sich selbst weder als gläubigen Menschen, noch als Ungläubigen,
viel mehr steht er/sie jeglichem Meta-physischen absolut gleichgültig
und desinteressiert gegenüber. Seine/ihre neue Lebenswelt sucht
er/sie in einem ideologiefreien Raum, um sich gegen jegliche
Indoktrinierung von beiden Seiten (religiöser, wie atheistischer)
abzuschotten.
Ähnlich ist es laut
Wucherer-Huldenfeld beim negativen Atheisten, nur mit dem
Unterschied, dass dieser aus der „systematischen Austreibung“ der
Religionen und „dem notorischen Fehlen religiöser Erziehung“
hervorgegangen ist. Der Unterschied zwischen indifferenten und
negativen Atheismus ist fließend und schwer herauszufinden. Die
Folgen sind die gleichen.
Im Religionsunterricht steht man jungen
Menschen gegenüber, die entweder, weil sie zuhause oder auch in der
Schule nie wirklich von Religiosität betroffen waren (damit meine
ich im emotionalen und nicht im rationalen Sinne) oder auch aus
anderen Gründen, allem - abseits der physischen, materiellen Welt
bestehenden - mit Desinteresse gegenüberstehen.
In den Religionsunterricht geht man
vielleicht doch noch, weil es die Eltern sagen, weil die FreundInnen
gehen, weil der/die LehrerIn vielleicht ganz nett ist, weil es mal
was anderes ist, weil es den Notendurchschnitt hebt, eine weitere
Möglichkeit für ein Maturafach bietet, oder weil es beim
zukünftigen Arbeitgeber gern gesehen wird. Es gibt im, doch noch
irgendwie, christlich-religiösen Österreich doch noch viele Gründe
den Religionsunterricht zu besuchen. Im seltensten Fall – so
ehrlich muss man sich selbst gegenüber sein - ist es aus wirklichem
Interesse am Fach. Das kann man nun pessimistisch lesen. Dieser
Werteverfall... - früher war alles besser... blablabla. - Oder
auch nicht. Die oben genannten Gründe sind durchaus plausibel, in
einer Gesellschaft, die immer mehr auf Leistung und Genuss
ausgerichtet ist, sind es durchaus berechtigte Überlegungen, die die
Jugendlichen zum Besuch des Religionsunterricht bewegen. - Und ich
möchte auch keineN die ich im Unterricht habe, missen. Man kann
diesen Automatismus als ReligionslehrerIn auch für sich verwenden
und trotzdem sehen, welche wesentliche Aufgabe man doch noch
irgendwie hat. Man kann versuchen die jungen Menschen zu bewegen,
auch wenn es dazu führt, dass Kritik geübt wird, dass hinterfragt
wird. Hat man das geschafft, so ist einem schon sehr viel gelungen.
Bzw. ALLES, denn genau darum geht es. Egal aus welchem Grund die
Jugendlichen an unserem Unterricht teilnehmen, Ziel ist es sie aus
der Gleichgültigkeit zu holen und sie zumindest zum Kritisieren an
zu regen. - Denn die Zukunft braucht Menschen, denen nicht alles egal
ist, sie braucht welche, die sich Gedanken machen - egal in welche
Richtung...
Genau deshalb darf man sich nicht
entmutigen lassen, sondern sich immer wieder vor Augen führen, dass
diese (nicht unumstrittene) Aufgabe, die wir ReligionslehrerInnen
haben, eine wesentliche ist - sofern man sie richtig versteht...
Literatur: Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeld, Wandlungen des Phänomens und der Bedeutung des Atheismus an der Wende zum 21. Jahrhundert, in: ebd.u.a., Atheismus heute? Ein Weltphänomen im Wandel, Leipzig 2001, 37-52.
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